Reviewed: Jan-Andrea Bernhard: Konsolidierung des reformierten Bekenntnisses im Reich der Stephanskrone

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Bernhard, Jan-Andrea: Konsolidierung des reformierten Bekenntnisses im Reich der Stephanskrone: Ein Beitrag zur Kommunikationsgeschichte zwischen Ungarn und der Schweiz in der frühen Neuzeit (1500–1700). Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2015.
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  Erschienen: Zeitschrift für Kirchengeschichte 128 (2017:1) 116-117. Bernhard, Jan-Andrea: Konsolidierung des reformierten Bekenntnisses im Reich der Stephanskrone: Ein Beitrag zur Kommunikationsgeschichte zwischen Ungarn und der Schweiz in der frühen Neuzeit (1500–1700). Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2015. 800 S.; 3 Karten (Refo500: Academic studies; 19.) zugl. Habilschr. Zürich, 2012. ISBN 978-3-525-55070-0 Jan-Andrea Bernhards Habilitationsschrift wurde an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich in Jahre 2012 angenommen. In seinem monumentalen Werk überblickt der Verfasser – laut Haupttitel – die Geschichte der ganzen ungarischen Reformation helvetischer Richtung vom Anfang des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Der Untertitel beschränkt  jedoch diesen Anspruch auf die gegenseitigen reformatorischen Beziehungen und theologischen Wechselwirkungen zwischen Ungarn und der Schweiz. Der letzteren Aufgabe geht Bernhard wirklich gewissenhaft nach – mit beneidenswerten Quellenkenntnissen, dogmatischen Kompetenzen und Belesenheit (das Literaturverzeichnis macht 110 Seiten und das historische Register 50 Seiten aus). Die zentrale Frage der Monographie ist, „warum die ungarische Reformation sich in ihrer Mehrheit dem helvetischen Bekenntnis angeschlossen hat”. Diese bis heute nicht abschließend geklärte Frage wird durch die Feststellung umso rätselhafter gemacht, „dass die Studentenperegrination nach Wittenberg im 16. Jahrhundert ungleich intensiver war als diejenige in die Schweiz; trotzdem gewann das helvetische Bekenntnis seit Mitte des Jahrhunderts unübersehbar an Terrain“ (25). Um dieses Problem zu lösen, greift Bernhard zuerst zu einer Untersuchung der Lesekultur. Er folgt den Schweizer Drucken auf die Spur, wie es auch im internationalen Forschungsprogramm Orbis Helveticorum  verwirklicht worden ist (Tagungsband: 2011). Die erste Jahreszahl im Untertitel (1500) bedarf jedoch einer Erläuterung. Diese Untersuchung erstreckt sich nämlich nicht nur auf reformatorisches Schrifttum, sondern auch vor allem auf die früheren Basler Editionen (meistens Kirchväterausgaben und biblische Paraphrasen), die unter Mitwirkung von Erasmus und dem älteren Frobenius auf den Markt gekommen sind und auch in Ungarn in großer Anzahl aufgenommen worden sind (77–83). In Bernhards Auffassung geht es hier – wie sein Untertitel auch andeutet – um Kommunikationsgeschichte. In der Sprache der Monographie wird diese Annäherung auch durch Termini unterstützt, die aus der Kommunikationstheorie und der Netzwerkanalyse stammen: Transfer, Vermittler, Einfluss, zentral – dezentral usw. Gleichzeitig fußt aber Bernhards Methode auf die Ergebnisse der jahrzehntelangen ungarischen Peregrinationsforschung und vor allem auf eine Datensammlung, welche die Szegeder Forschungsgruppe von Ungarns Lesekultur in einer bisher mehrere Laufmeter ausmachenden Reihe publiziert hat. 1  Unter diesen Daten muss man Bücherlisten verstehen, die größtenteils in Inventaren, Testamenten, Nachlassverzeichnissen überliefert worden sind. In den meisten Fällen kann man diese wortkargen Listen mit erhaltenen Bücherexemplaren nicht in Verbindung bringen. Deshalb bezeugen diese sonst wertvollen Archivalien nur das Vorhandensein eines Werkes und besagen nichts darüber, ob es gelesen worden ist, von wem und mit welcher Wirkung. Denn dazu müsste man entweder das Exemplar in die Hand nehmen, Possessorenvermerke, Eintragungen, Marginalien, Unterstreichungen und sonstige Lesespuren darin untersuchen 1  Auch als eine Online-Datenbank zugänglich: www.eruditio.hu/lectio.  oder nach Erwähnungen, Anspielungen und sonstigem literarischem Einfluss im schriftlichen  Nachlass und Werk des vermutlichen Lesers fahnden. Die erwähnte Forschungsgruppe hat sich eben aus diesem Grund neulich lieber die Rekonstruktionen von historischen Bibliotheken vorgenommen. Dieses methodologische Problem beschränkt wesentlich die Aussagekraft von Bernhards kommunikationsgeschichtlichen Ergebnissen. Der Verfasser beantwortet seine oben zitierte Frage mit der Betonung vom ungarländischen Bund zwischen Humanismus und Reformation. „Das gemeinsame konstitutive Element der ungarländischen Reformation ist der stark verbreitete Humanismus […]. Viele Humanisten wandten sich zunehmend den reformatorischen Kirchen zu […]. Dementsprechend standen die ungarländischen Reformhumanisten am Scheideweg, als Luther sich vom humanistischen Erbe »abwandte«. (227) „Die vielen ungarischen Studenten, die in Wittenberg insbesondere  bei Melanchthon studierten, und diejenigen Ungarn, die in den 1540er Jahren auch den oberdeutschen und schweizerischen Raum besuchten, trugen vielmehr wesentlich dazu bei, dass die ungarische Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen vermittelnden Standpunkt im Sinne einer via media  einnahm, betonend die Symbiose zwischen  studia humanitatis  und reformatio. […] Verwendung der erasmischen Methode trug schließlich wesentlich dazu bei, dass sich die ungarische Reformation seit Mitte des 16. Jahrhunderts an der helvetischen Richtung der Reformation orientierte, in der festen Überzeugung, dass auch Melanchthon damit eins gehe.” (256) Bernhard beschäftigt sich eingehend auch mit der Frage „Reformation unter Osmanenherrschaft“, der tatsächlich eine Schlüsselfrage in Bezug auf die rasche Verbreitung der helvetischen Theologie in Ungarn ist. In der Konzeption der Monographie scheint ihm es eine logische Wahl zu sein, sich vor allem auf die Kontakte zwischen dem südungarischen „Eroberungsgebiet“ und Basel, Bern, Zürich zu konzentrieren. Sein ideengeschichtlicher Rahmen ist hier ein Antagonismus der Strategien Türkenkrieg vs. Türkenmission – gut belegt in der Theologiegeschichte der Schweiz. Die frühere ungarische Fachliteratur hat mit Unverständnis und sogar sarkastisch den Bullingerschen Optimismus betreffs der baldigen Bekehrung der Osmanen zitiert. In Bernhards Analyse stellt sich heraus, dass hinter diesen ausgesprochen naiv wirkenden Vorstellungen eine erasmische theologische Tradition und eine ernste Systematik stecken (96–113). Der Züricher Habilitand ist der Überzeugung, dass diese Zukunftserwartung für Christen im besetzten Gebiet – ihren alltäglichen Enttäuschungen zum Trotz – anziehend und tröstlich war und unter anderen Faktoren auch diese Sympathie dazu  beitragen konnte, dass sie der viel düsteren Wittenberger Geschichtsauffassung allmählich den Rücken wandten und schließlich Schweizer Ideen mit Offenheit begegneten. M.E. leistete Bernhard in einigen Kapitel eine bewundernswerte historische Arbeit und eine glänzende Analyse der Quellen (216–226, 287–299) und auch in der Auswertung der in der Schweiz erschienenen  Hungarica  machte er sich verdient (340–357). Auf der anderen Seite finde ich bedauerlich, dass er den von Sándor Előd Ősz 2015 zusammengestellten Calviniana -Katalog oder die 2013 von Edina Zvara herausgegebene Rekonstruktion der ehemaligen Güssinger protestantischen Schulbibliothek (der größten Sammlung dieses Schlages) während der Niederschrift noch nicht benutzen konnte. Bernhards einfallsreicher, inspirativer und zugleich mit Erudition vorgetragener Gedankengang wird leider manchmal durch banale Fehler, Überinterpretationen und Missverständnisse überschattet, die meistens kritiklos aus der Sekundärliteratur übernommen worden sind. Einige Beispiele auf einer einzigen Seite: „Dévai Bíró (1500–1545) wurde nach seinen Studien in Krakau (1523–1525) Franziskaner […] Zu Beginn seines Aufenthaltes in Wittenberg fand er bei Luther freie Kost und Logis.“ (188) In der Wirklichkeit sind kein Geburtsjahr und kein Abschlussdatum der Krakauer Studien (nur seine Immatrikulation)  bekannt. Laut zuverlässigen Daten war Dévai Weltpriester und nicht ein entflohener Mönch.  Von seiner Zugehörigkeit zum Franziskanerorden oder zur Richtung dessen strenger Observanz (226) schweigt jede Quelle einstimmig. Tatsächlich war Dévai einmal Luthers Gast gewesen (wahrscheinlich während seiner späteren und bedeutend längeren Wittenberger Aufenthalte), aber dass er als Student Verpflegung und Unterkunft bei Herrn Käthe genoss und das noch dazu gratis, ist nur frei erfunden worden – und wider jede Wahrscheinlichkeit. Zoltán Csepregi
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